Tag: Heimat

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Discrimination2.jpg, User: אופק3152

Weil es sein muss…

…zitiere ich hier Rainer Trampert. Leider gibt es derzeit selten solch treffsichere Einschätzungen zum identitären Gesellschaftsautismus, zum Rückwärtskrawall in den Köpfen unter Beibehaltung des Konsumrauschs.

Das Eigene und das Fremde

Beobachtungen zu Andreea Dumitru, Inter- und Multikulturalität in Eginald Schlattners Romantrilogie Versunkene Gesichter, Honterus: Hermannstadt 2017, 179 S. 29,- Lei   9,90  Euro

 

Noch schwärmen Siebenbürger Sachsen von ihrem großartigen Treffen in Hermannstadt Anfang August 2017 (Vgl. B.Ungar, Von Heimat und Apfelbäumchen: HZ 11.8.2017; Siebenbürgen aktuelles Thema  für siebenbürgisch-sächsische Jugend im  Ausland: ADZ-Gespräch mit E.Drottleff (…): ADZ 6.9.2017 ) Werden die Enkel  der Ausgewanderten nach dieser Inspiration mit neuem Schwung mehr und mehr Aufgaben  auch in der süßen Heimat übernehmen und diese auf sächsische Art stärken? Mir ist diese Sicht auf die Zukunft genauso kürzlich freundschaftlich  mitgeteilt worden. Hierbei handelt es sich selbstredend um eine  spontane Äußerung nach einem  aktuellen Ereignis. Andererseits gibt es immer  noch festgefahrene Positionen. Eine solche Haltung wird  beispielsweise von einer kritischen Sächsin zitiert, die den  Kontakt zu  ihrer Herkunftskultur bewußt abgebrochen hat:“Die Sachsen sind alles, die anderen sind minderwertig.“ (S.Pichotta, Schicksale –  Deutsche Zeitzeugen in Rumänien, Schiller:Hermannstadt 2013, S. 111). Seinerzeit ist kein Aufschrei des Für und Wider gegenüber dieser  Einstellung zu hören gewesen, aber ganz  unabhängig von Ethnozentrismus und Event hat Andreea Dumitru 2017 ein Buch vorgelegt, das den Beziehungen, Wechselwirkungen und Ergebnissen im Zusammenleben  der verschiedenen Völker in Rumänien  nachgeht, und zwar anhand von Eginald Schlattners Romantrilogie. Die Autorin enfaltet eingängig und schlüssig, wie  Schlattner die Welt des  Mit-, Neben- und bisweilen auch  Gegeneinander in nuce veranschaulicht. Schlattner weiß, wovon er schreibt; denn er  hat diesen farbenprächtigen grandiosen Mikrokosmos, in dem das siebenbürgische Leben spielt, ausgelebt und durchlitten. So hat er insgesamt ohne Besserwisserei, aber im Mitleiden, Ausharren und Durchstehen  ein spannendes Lehrstück entworfen, aus dem Zukunftswissen geschöpft werden kann.

Bukarest 2012: Proteste für Rosia Montana (Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10153927162580816&set=a.449719750815.255101.600085815&type=3&theater)

Kommentar: Nicht mit #Gold aufzuwiegen – #RosiaMontana kommt auf die rumänische #UNESCO -Liste

Bukarest 2013: Proteste für Rosia Montana (Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10153927162580816&set=a.449719750815.255101.600085815&type=3&theater)

Bukarest 2013: Proteste für Rosia Montana (Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10153927162580816&set=a.449719750815.255101.600085815&type=3&theater)

Es geht also doch: Ein paar Dutzend Bergbauern und Aktivist*innen können es mit einem milliardenschweren Industrieprojekt und einer kleptokratischen Politelite aufnehmen. Roșia Montană ist vor seiner Zerstörung gerettet. Ein paar Tonnen Gold weniger in der globalen Umlaufbahn, zweitausend Jahre reichhaltige Kulturgeschichte für die Zukunft bewahrt.

Bild: Bianca Bogdan

Rumänien anders: Ein „Unruheständler“ in Siebenbürgen

An Zukunftsvisionen denke er selten, meint Ilarion Bârsan. Der fast 70-jährige mit den wachen Augen sagt das am Ende unseres langen Gespräches über das Harbachtal, seine Heimatregion. Seine Biographie beginnt, wo der Harbach entspringt, bei Retiș (Retersdorf) weit im Nordosten des Tals. Hier sitzen wir mit Blick über die für das Harbachtal prägenden, bisweilen endlos wirkenden Schafweiden. Ilarion Bârsan ist ein Beispiel dafür, wie die Bevölkerung nach tragfähigen Lösungen für ihre Region sucht.

Geburt des neuen Rumänien?

Rumänische Zivilgesellschaft formiert sich – auch Kirchen zeigen Flagge

Es gibt ein sinnvolles Ziel für die Gesellschaften,auf das hin sie sich entwickeln. Jede Revolution ist Ausdruck einer nicht assistierten oder resistierten Evolution auf dieses Ziel hin. Das sind Worte des Philosophen, Arztes, Bergbauingenieurs und Philosophen Franz von Baader (1765-1841), den ich notgedrungen aus dem Gedächtnis zitiere. (Seine uns Heutigen fremde Wortwahl unterstützt mein Gedächtnis, um nicht in dieser Tradition zu sagen: hilft ihm auf). Gut, er lebte im Zeitalter der Romantik!Könnte er dennoch mit seiner These den Puls der Zeit fühlen? Ich mußte in jüngerer Zeit oft an ihn denken. Wieso? Durch Begegnung mit gesellschaftlichen Wirklichkeiten:

Bucharest revisited (III)

Im Frühjahr schrieb ich nach meinem ersten Aufenthalt in den Diplomatischen Archiven:

„Das Diplomatische Archiv gehört zum Aussenministerium und befindet sich im Palatul Victoria/ Victoriapalast. Dort hoffe ich Material zu den Friedensverhandlungen mit Deutschland 1918 zu finden. Mein Antrag auf Nutzung wird nach weniger als 24 Stunden beantwortet. Da ich kein rumänischer Staatsbürger bin, muss ich mich direkt an die Öffentlichkeitsabteilung des Ministeriums wenden – Rumänen stellen den Antrag ans Archiv selbst. Die gesetzlich vorgesehene Bearbeitungszeit, so wird mir mitgeteilt, beläuft sich auf bis zu 30 Tage. Daran ist nichts zu ändern. Ich komme in einem Monat wieder.

Die online erfassten Bestände scheinen besser strukturiert zu sein als im Nationalarchiv. Aber dies ist nur ein erster Eindruck.“

Die weiteren Eindrücke bin ich an dieser Stelle noch schuldig geblieben. Das soll jetzt nachgeholt werden.

Zwei Augenblicke in SüdostEuropa (II): Zum Wochenend in Czernowitz

Endlich in Stadt voller Bücher und Menschen

Der Germanist Joachim Müller in Jena bot im Herbst 1960 eine Vorlesung für Hörer aller Fakultäten an mit dem Thema „Ausgewählte Lyrik des 20. Jahrhunderts“. Ich kannte ihn nicht. Erst 1963 wurde seine verständnisvolle Interpretation expressionistischer Dichtung öffentlich in der Presse angegriffen. 2006 wurde bekannt, daß er sich auf Anfrage brieflich zu seinen Verstrickungen in der NS-Zeit bekannte. So schlau waren die Studierenden damals nicht, als sie sich am späten Nachmittag des 14.10. 1960 zur ersten Vorlesung in einem kleinen Hörsaal des Hauptgebäudes der Universität Jena trafen. Aus dem überschaubaren Kreis erinnere ich mich u.a. an die Theologen Waldemar Schewe aus dem Eichsfeld und Karl-Heinrich Bieritz aus dem damals kirchlich noch immer hessischen Schmalkalden. Von den Mathematikern war zumindest Gerhard Maess präsent,nach 1989 erster frei gewählter Rektor der Rostocker Universität, ein Mann der Orientierung in Zeiten schöner Ideale und peinsamer Irrtümer. Joachim Müller begann mit einer Einfühlung in die lyrische Sprache. Dann lasen wir auf hektographierten Blättern die TODESFUGE von Paul Celan, und wir hörten von Czernowitz, wo nach den Worten seines berühmtesten Dichters Menschen und Bücher lebten, wir hörten von Deportationen und KZs in der Bukowina. Die Frage wurde gestellt, ob Celan mit seinem Gedicht die These widerlege, nach Auschwitz sei keine Dichtung mehr möglich. Kurzum: Seitdem hat mich das Gedicht, seine Geschichte, die seines Verfassers und vön dessen Stadt nicht losgelassen. Ich wußte, niemals würde ich nach Czernowitz kommen, soviel ich auch darüber läse.

Putzfrauen der Globalisierung

Ifa-Koordinatorin  über Berliner Haushalthilfen aus Rumänien

„Radio Neumarkt auf Deutsch“ vermeldete es, die Hermannstädter und die Allgemeine Deutsche Zeitung für  Rumänien (20.1.12, 11.12.2011) ebenso: Es gibt eine neue Regionalkoordinatorin des Instituts für Auslandsbeziehungen, die sich seit Anfang November um die IfA-Kulturmanager in Serbien, Ungarn und Rumänien kümmert. Davon gibt es allein in Rumänien vier, wobei allerdings die Stelle in der Evangelischen Akademie Siebenbürgens vakant ist. Die Neue ist Friederike Binder (37). Zu den Angaben über Biografisches kommt in den Meldungen auch die Berufsbezeichnung  als Diplom-Sozialarbeiterin. Studiert hat sie an der Fachhochschule Potsdam und dort auch ihre Abschlußarbeit geschrieben, die 2008 in Saarbrücken veröffentlicht worden ist.

Wo das Feuer brennt. Kulturlandschaft in Siebenbürgen jenseits der Kulturmetropolen

von Jens Langer

Eginald Schlattner zum 75. Geburtstag am 13.9.2008

Am Horizont lodern zwei mächtige Holzstöße zum Himmel. Damit versuchen auch in dieser Augustnacht 2007 die Bauern in der Ferne das Maisfeld am Waldrand vor den Wildschweinen zu schützen. Von der Galerie eines Bauernhauses im rumänischen Transilvanien aus ein archaischer Anblick! Diese Archaik wird von den Schauern des gegen Mitternacht einsetzenden Landregens gelöscht und ertränkt, so sehr sich die Dorfbewohner auch mühen, das Feuer erneut anzufachen und zu erhalten, wie selbst aus der Ferne eine Zeit lang an einzelnen, mit frischer Kraft auflodernden Feuerschüben zu erkennen ist.
Um solche Feuer hatten sich in der Steppe der Verbannung die rumänischen Zigeuner in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts versammelt wie seit Urzeiten in ihren Zeltlagern, und sie suchten Schutz vor den Klauen des Krieges, die sie dennoch immer wieder tödlich trafen. So sah es der mörderische Deportationsplan der Regierenden vor, ursprünglich in diesem Krieg Deutschland verbündet, in der Endphase mit dessen Feindmächten alliiert.

Neben den urtümlichen Flammen jener Augustnacht werden täglich unzählige Holzfeuer in Küchen und Stuben, auf Höfen und Feldern angefacht und gehütet; denn auch sie werden gebraucht, um zu überleben.

Zalina: Pressekonferenz 14. August 2007 // 12 Uhr, Hermannstädter Rathaus

Ein Stationentheater mit den Schauspielern Johanna Adam, Câtâlin Grigoraş, Laurenţiu Vlad
und den Bewohnern Holzmengens

Sibiu, 9. August 2007

Sehr geehrte Damen und Herren,
Wir laden Sie herzlich zur Pressekonferenz am

14. August 2007 // 12 Uhr
City Hall Sibiu (Primaria Sibiu), Sala Mica, et. 2 , Piata Mare

Fünf Berliner Theaterkünstlerinnen begaben sich auf Spurensuche nach Rumänien. In Holzmengen, nahe Hermannstadt, erzählten die Menschen aus ihrem Leben. Entstanden ist ein Theaterstück.

„Gold oder Leben in der Region?“ – Vierte EAS-Ökologie-Konferenz über Rosia Montana mußte unter Polizeischutz tagen

Das geplante Goldabbauprojekt in Rosia Montana erhitzte die Gemüter in- und ausländischer Konferenzteilnehmer

Seit rund zehn Jahren gibt es nun schon die Diskussion über das Goldabbauprojekt der Firma „Gold Corporation“ in Rosia Montana. Dort liegen die größten Goldvorkommen Europas unter der Erde. Mit einem gewaltigen Tagebau will die rumänisch-kanadische Firma dort die Vorkommen ausschöpfen. Doch dazu muß das Dorf weichen, es müssen mehrere Kirchen abgerissen und Gräber verlegt werden. Eine der schönsten Karpatenlandschaften würde dauerhaft zerstört werden. Mehrere Berge müßten komplett abgetragen werden. Und es drohen als Konsequenz zwei riesige Schlackenbecken mit hochgiftigen Zyanidresten aus dem Abbauprozeß.

Holzmengen – Hosman – Holcmány: Ein Dorf erzählt… ZALINA

Zalina - Poster EN

Ein Stationentheater mit den Bewohnern von Holzmengen und Schauspielern aus Hermannstadt
In rumänischer Sprache mit deutscher und englischer Übersetzung

Fünf Berliner Theaterkünstlerinnen begeben sich auf Spurensuche nach Rumänien. In Holzmengen, nahe Hermannstadt, erzählen die Menschen aus ihrem Leben. Entstanden ist ein Theaterstück.

ZALINA – ein märchenhaftes Stück über das wahre Leben in einem transsilvanischen Dorf. Im Kampf um Illusionen, gegen das Vergessen und Verstummen, hilft nur das Erzählen von Geschichten, bis es selbst jene rührt, die still saßen.

Die junge Zalina sucht ihren Weg zwischen alten Traditionen und neuen Träumen … Mit ihrer Verzweiflung ruft sie zwei archaische Mächte herbei: Fat Frumos und Zmeu.
Jeder der beiden versucht Zalina auf seine Seite zu ziehen, doch sie bleibt bei sich und sucht statt dessen den Zugang zu den Menschen. Sie geht in ihre Häuser, stellt Fragen. Dabei hört sie Geschichten, von denen sie nichts ahnte. Das Erzählen der Geschichten, das Erinnern, verändert nicht nur das junge Mädchen und ihren Wunsch, dieses Dorf hinter sich zu lassen, diese Geschichten entwickeln eine ganze eigene Kraft und stellen sich bald schon den beiden Urmächten entgegen…

Die Zuschauer sind eingeladen, die junge Zalina auf dem Gang durch ihren Heimatort zu begleiten, hinter die Fassaden zu schauen und ein rumänisches Dorf in seinem Alltag kennen zu lernen. Das Stationentheater, gespielt von den Bewohnern Holzmengens und professionellen Schauspielern, endet mit einem geselligen Ausklang auf dem Gelände der alten Mühle.

Buchempfehlung: Zwischen Hitler, Stalin und Antonescu. Rumäniendeutsche in der Waffen-SS (von Paul Milata)

Die jüngere Vergangenheit der Deutschen im östlichen und südöstlichen Teil Europas ist in den letzten Jahren wiederholt Gegenstand von Auseinandersetzungen gewesen. Osteuropäische Staaten haben aus unterschiedlichen Anlässen auf die NS-Sympathien der »Volksdeutschen« zwischen 1933 und 1945 hingewiesen, während von bundesdeutscher Seite die Geschichte der Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg in die Debatte gebracht wurde. Was aber ist wirklich über das Verhalten der Deutschen in diesen Regionen Europas bekannt? Für das Gebiet von Rumänien bietet nun der vorliegende Band Antworten auf diese Frage. So zeigt sich, dass sowohl die erste als auch die größte SS-Auslandsrekrutierung bei den deutschen Gruppen in Rumänien stattfand. Der freiwillige Eintritt der Rumäniendeutschen in die Waffen-SS kann dabei nicht nur als eine Unterstützung NS-Deutschlands – trotz oder wegen Hitlers – gewertet werden, sondern auch als Reaktion auf den Nationalismus des Heimatstaates und als ein deutliches Zeichen gegen das sowjetische System stalinistischer Prägung.

Einfach, aber kompliziert und konfliktuell: Chancen in Transsilvanien

„Was wollt ihr hier“, verwundert sich der Mann vom Film, „hier gibt es ja nicht mal eine Bar.“ Seit über 20 Jahren tourt er sommers durch Rumänien und Siebenbürgen, ent-lang dem Transeuropäischen Korridor der atemberaubenden Verkehrsströme zwischen Skandinavien und Türkei. Zum ersten Mal landet er nun abseits von den Magistralen in einem siebenbürgischen Dorf bei Sibiu/Hermannstadt, trifft auf die Bekannten von Bekannten und wundert sich. Die Antwort der anderen: „Wir wollen hier leben.“

Transsilvanien braucht viel Auferstehung (von Jens Langer)

Nach der vierten europäischen Grenze suchen wir – der schwarzweiße Münsterländer-Mischling Linus, eine dunkelblonde Kandidatin der Politik- und Sportwissenschaft und ein grauer Prediger – im rumänischen Arad eine Tankstelle, bei der die Aufkleber für die Straßenbenutzung gekauft werden können. Ein Mann in einem stabilen Landrover mit württembergischen Kennzeichen fragt nach Woher und Wohin. Er stammt aus einer deutschen Familie in Kasachstan. Und hat anscheinend Glück gehabt in der neuen Heimat. Wir einigen uns schnell über Bürokratie in Deutschland, den ungewöhnlichen Fahrstil in Rumänien, über Freiräume und den Sinn von persönlichem Einsatz.

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