Author: Joachim F. Cotaru
Go West… und entscheide Dich
Entscheide Dich, ob Du wie ein Mensch bereit bist, andere Leute mit Deinem Auto mitzunehmen. Oder jeden Menschen zu nach seinem Pass zu fragen und ob alle Einreisebestimmungen nach Germania erfüllt werden. Wenn Du Dich für die erste Option entscheidest, kann es sein, dass Deine Mitreisenden an der Grenze zur deutschen Wohlstandsfestung aus Deinem Wagen
Bukarest: Protest gegen Zwangsräumungen im Rahova/Uranus-Quartier
Am 12. März protestierten knapp 100 Personen in Bukarest gegen die vollzogene Zwangsräumung einer dreizehnköpfigen Familie aus dem Rahova/Uranus-Quartier am Rathaus des Sektor 5. Die betroffene Familie hat seit 2006 Anträge auf sozialen Wohnraum laufen, der ihr – unter anderem haben zwei Kinder Behinderungen – rechtlich zusteht. Die Protestierenden durften ihre Meinung nur am Hintereingang des Gebäudes äußern. Der Haupteingang am viel befahrenen Bulevard Regina Elisabeta blieb ihn verweigert. Zudem wurden die Menschen zwischen Gebäude und einem Metallzaun regelrecht eingepfercht.
Rassistische Splitter III
Es gibt ein Jugendstilbad in Sibiu/ Hermannstadt, das ich gerne mit den Kindern besuche. Immer freundlich der Empfang und stets unkomplizierte MitarbeiterInnen… Vor zwei, drei Jahren sind wir einmal zusammen mit D. hingefahren. Um auf den Parkplatz zu kommen, braucht es Jetons und die will D. schnell von der Kasse holen. Missmutig kommt er zurück: „Wir sollen ein ärztliches Gesundheitszeugnis vorlegen.“ – „Sorry, ich denk, das liegt an Deiner Hautfarbe. Von uns hat man sowas noch nie verlangt.“
Rassistische Splitter II
Nach einem Interview fuhr ich per Anhalter nach Holzmengen. Ein gelber Dacia hielt an, der Fahrer ein Herr mittleren Alters. Er war sehr gesprächig und begann mich über meinen Aufenthalt in Rumänien auszufragen. Als ich ihm berichtete, dass ich gemeinsam mit Romafrauen arbeitete, wurde er ungehalten und erklärte mir, dass Roma keine Rumänen seien: „Sie sind Ausländer, denn sie kommen ja aus Indien.“ Sie würden stinken, seien faul und zum Arbeiten nicht fähig.
Rassistische Splitter I
Vom morgendlichen Bus nehme ich den Sportlehrer mit ins Dorf. Frag ihn, wie es an der Schule so läuft. „Ach, weisst Du, bei 90% Romakindern“, so plaudert er dahin, „kommt man sich schon vor wie an einer Behinderterschule.“ Schluckend frage ich zurück, ob hier nicht die Lehrer gefragt seien. Oder warum denn die Schüler aus
Griechenland? Rumänien! – Linkliste zur „Krise“ à la Roumanie
Es scheint sinnvoll, Beiträge zur aktuellen „Krise“ in Rumänien in einem gesonderten Beitrag zu sammeln. Einige Beiträge wurden daher aus dem Eintrag „Quo vadis, Romania? – Krise, Wirtschaft und Gesellschaft im Blick der Presse“ hierher übertragen.
13.2.3013
Badische-Zeitung.de: Die unbeachtete Krise
17.1.2013
Ostpol.de: Im Schatten der Eurokrise
Bolyai-Schlossruine in Buia/ Bell/ Bolya
Ebenfalls seit langem auf meiner Liste der must-do’s. Wenn man von Mediaș/ Mediasch kommend durchs Valea Buii/ Kaltbachtal fährt, führt der Weg durch Bell. Auch wissend entging mir oft die Schlossruine linkerhand. Vor Jahren ist sie wohl mal von Studierenden der Uni Cluj/ Klausenburg vermessen worden. Das Gebäude, die Reste von ihm, sind ein Schatz. Sicherlich. Doch das Dorf unterhalb hat sicherlich grössere Probleme; so bleibt vorerst der Verfall.
Buia/ Bell/ Bolya: Jüdischer Friedhof/ Cimitirul Evreiesc/ Jewish Cemetery
Stefan Vaida aus Alzen hatte mir schon vor längerer Zeit von dem jüdischen Friedhof in Bell/ Kaltbachtal berichtet. Heute endlich hab ich es einmal geschafft...
23.000 x Balkan: AIM-Archiv ist wieder online
Nach fast zwei unruhigen Monaten, ob die Arbeit von …zig JournalistInnen aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens der Jahre 1993 – 2003 sich in den endlosen Weiten des Netzes aufgelöst habe oder nicht – gibt es nun weitgehend Entwarnung. Wir vom Europäischen BürgerInnen Forum/ forumcivique halten die Website seit dem Ende der Finanzierung online. Das Archiv des
Aufruf zur Unterzeichnung der Petition gegen Racial Profiling: „Äußere Merkmale nicht als Grund für Identitätskontrollen und Durchsuchungen!“
Bis zum 18.12. 2012 versuchen die InitiatorInnen der Bundestagspetition gegen das so genannte „Racial Profiling“, die nötigen 50.000 Unterschriften zusammen zu bekommen. Unterstützen Sie sie dabei und unterzeichnen Sie unter diesem Link die Petition mit!
Im Schatten der Menschenrechte
Neulich fuhr ich vom Dorf in die Stadt. Eine Mutter mit Kindern trampte an der Kreuzung, ich nahm sie mit. Sie sei zum Betteln unterwegs, was sie aber gern ließe, wenn sie anders das nötige Geld verdienen könne. „Betteln bringt ja nichts“, meinte sie. Sechs Kinder habe sie, die nicht 30jährige. Von Verhütung wolle ihr Mann nichts wissen, die Pille sei für sie zu teuer. Von meinem Dorf ist es übrigens nicht weit zu einem Ort, wo Menschen in dritter Generation ohne Dokumente leben: keine Geburtsurkunde, keine ID. So kommen sie nicht einmal in den Genuss der welken Früchte rumänischer Sozialgesetzgebung…
Über die Menschenrechtslage rumänischer Roma zu schreiben, ist schwer und banal zugleich. Fakt ist: Roma werden anhaltend aus allen Mehrheitsgesellschaften ausgegrenzt, in denen sie leben. Erklärungsversuche dazu verlieren sich schnell in einem Gewirr von sozialen und kulturellen Deutungsansätzen. „Wie geht es denn den Roma?“ fragten mich einmal BesucherInnen aus Deutschland. „Gehen wir hin und fragen“, antwortete ich – und wir blieben sitzen. So ist es meist: Es wird über ‚die Roma’ geredet. Wichtiger zu wissen wäre dabei eins: Wer ist gemeint, wenn ‚Weiße’ über ‚Roma’ sprechen? Denn ‚die Roma’ gibt es nicht – wir reden sie uns zurecht. Es gibt sicher eine ethnische Gruppe, aber diese wird um soziale Stereotype erweitert.
Tagungshinweis: „Rumänien zwischen Einheitsvorstellung und Vielfalt“, Regensburg
„Am 6.-7. Dezember 2012 wird an der Universität Regensburg ein interdisziplinäres Symposium zum Thema „Rumänien zwischen Einheitsvorstellung und Vielfalt“ stattfinden, das gemeinsam von der Universität Regensburg und dem Institut für Ost- und Südosteuropaforschung Regensburg (IOS) organisiert wird.
…Facebook.
Informationen zu neuen und aktualisierten Beträgen auf cotaru.com finden Sie jetzt auch auf der Facebook-Seite „Büro Cotaru„.
Bucharest revisited (III)
Im Frühjahr schrieb ich nach meinem ersten Aufenthalt in den Diplomatischen Archiven:
„Das Diplomatische Archiv gehört zum Aussenministerium und befindet sich im Palatul Victoria/ Victoriapalast. Dort hoffe ich Material zu den Friedensverhandlungen mit Deutschland 1918 zu finden. Mein Antrag auf Nutzung wird nach weniger als 24 Stunden beantwortet. Da ich kein rumänischer Staatsbürger bin, muss ich mich direkt an die Öffentlichkeitsabteilung des Ministeriums wenden – Rumänen stellen den Antrag ans Archiv selbst. Die gesetzlich vorgesehene Bearbeitungszeit, so wird mir mitgeteilt, beläuft sich auf bis zu 30 Tage. Daran ist nichts zu ändern. Ich komme in einem Monat wieder.
Die online erfassten Bestände scheinen besser strukturiert zu sein als im Nationalarchiv. Aber dies ist nur ein erster Eindruck.“
Die weiteren Eindrücke bin ich an dieser Stelle noch schuldig geblieben. Das soll jetzt nachgeholt werden.

