Rosia Montana kommt nach Deutschland
Alle Termine sind jetzt klar: Zwei VetreterInnen des Peace, Action, Training & Research Institutes Rumäniens (PATRIR) kommen Anfang Dezember nach Deutschland, um auf die Situation in Rosia Montana und den Widerstand gegen die geplante Goldmine aufmerksam zu machen.
Anfang Dezember soll für den Widerstand der BewohnerInnen von Rosia Montana mit einer kleinen Tournee in Deutschland geworben werden. Weitere Informationen gibt es über daskleinesymposium@web.de Bis jetzt stehen folgende Orte fest:
- Dresden, 3.12.: 19.00 Uhr, „Projekttheater“, Luisenstr. 42
- Halle, 4.12.: 19.30 Uhr, „VL“, Ludwigstr. 37
- Nürnberg, 5.12.: 20.00 Uhr, „Villa Leon“, Philipp-Korper-Weg 1
- Marburg, 6.12.: 20.30 Uhr, Cafe am Gruen, Am Gruen 28
- Potsdam, 8.12.: 19.00 Uhr, „Chamaeleon e.V.“, Hermann-Elflein-Str. 32
- Cottbus, 10.12.: 19.30 Uhr, Ort wird noch bekannt gegeben.
Als ReferentInnen haben sind MitarbeiterInnen des Peace, Action, Training & Research Institutes Rumäniens (PATRIR) eingeladen. Sie haben eine Kampagne initiiert, die in den Konflikt mediativ eingreift und die Entwicklung basisdemokratischer Strukturen fördert (z.B. Unterstützung der Dorfbewohner in ihrer Forderung für ein Referendum). PATRIR vermittelt in dem Konflikt zwischen den einzelnen Konfliktparteien, zwischen NGO’s, Beveolkerung, Kirchen, Arbeitern der Minenfirma.
** Material vom Vorbereitungskreis **
Hintergrund:
Goldtagebau bedroht Rosia Montana
(text: misu) Rosia Montana ist ein kleines Dorf in den rumänischen Westkarpaten etwa 130 km von Cluj Napoca entfernt. Das idyllische Bergdorf wird von etwa 2000 Menschen bewohnt, die vornehmlich von der Landwirtschaft leben. Außerdem arbeiten viele Männer des Dorfes im Bergbau, denn die Berge rings um Rosia Montana enthalten Gold und Kupfer. Der Goldabbau hat hier eine sehr lange Tradition, Rosia Montana ist der älteste bekannte Bergbauort in Rumänien. Bereits die Römer haben hier Gold abgebaut.
Doch nun soll ein Tagebauprojekt beginnen, daß alles bisher dagewesene übertrifft: Die Rosia Montana Gold Corporation (RMGC) will hier den größten Goldtagebau Europas eröffnen. Vier Berge sollen abgetragen werden, um daraus alles Gold so schnell und effektiv wie möglich zu gewinnen. 1600 ha Land werden davon betroffen sein, ein riesiger Giftsee mit den Abfällen aus dem Tagebau wird das Nachbartal Corna langsam überschwemmen. So die Pläne der RMGC. Doch damit das Projekt beginnen kann, müssen die Menschen Rosia Montana und Corna verlassen. Viele haben sich jedoch entschieden, ihr Haus und ihr Grundstück nicht aufzugeben und begonnen, gegen das Projekt anzukämpfen.
Die Beteiligten
Die RMGC ist ein Joint Venture, welches zu 80 % von der kanadischen Firma Gabriel Resources getragen wird. Die restlichen 20 % hält die rumänische staatliche Minvest S.A.. Diese Beteiligung ist für Gabriel Resources notwendig, da sie damit auch die Bergbaurechte bekommt, die bei der staatlichen Firma liegen. Im Gegenzug dafür übernimmt Gabriel Resources die teure Schließung der bereits bestehenden Goldmine, wofür das Staatsunternehmen kein Geld hat.
Dem gegenüber stehen die BewohnerInnen von Rosia Montana und dem benachbarten Corna-Tal, die ihr Dorf nicht verlassen wollen. Sie gründeten im Dezember 2000 die Initiative Alburnus Maior. Alburnus Maior ist der lateinische Name von Rosia Montana. Diese Initiative organisiert den Widerstand gegen das Projekt der RMGC, und versucht der PR-Kampagne der RMGC eine kritische Sicht gegenüber zu stellen. Mit Hilfe der nationalen und internationalen Öffentlichkeit wollen sie das Projekt stoppen.
Soziale Folgen
Die Menschen in Rosia Montana und Corna werden durch die RMGC gedrängt, ihr Zuhause zu verlassen. Bereits jetzt, noch bevor das Projekt die letzte Genehmigung zum Beginn des Tagebaus erhalten hat, haben einige Familien ihr Haus und ihr Grundstück an die RMGC verkauft. Diese sind dann durch blaue Schilder mit gelber Schrift als Eigentum der RMGC ausgewiesen. Um den Druck auf die Menschen noch zu vergrößern, greift die RMGC zu drastischen Mitteln: So drängten sie den einzigen Arzt des Dorfes zu gehen, in dem sie ihm eine erhebliche Summe Geld zahlten. Nun gibt es für die Menschen in Rosia Montana keine medizinische Versorgung mehr. Auch wird es ab Herbst wohl keine Schule mehr im Ort geben. Die Firma plant jetzt sogar alle Geschäfte in Rosia Montana aufzukaufen, so daß den Menschen dort dann nicht mehr genügend Lebensmittel und andere Dinge zur Verfügung stehen werden, wie Sabin vom Peace Institut in Cluj berichtet.
Das Leben im Dorf hat sich bereits jetzt, etwa sechs Jahre nach dem ersten Auftauchen der RMGC dort und noch vor dem Beginn der Bergbauarbeiten stark verändert. Die Bevölkerung hat sich in drei Lager geteilt: Diejenigen, die ihr Eigentum bereits verkauft haben oder verkaufen wollen; diejenigen, die sich gegen das Projekt engagieren und in Rosia Montana bzw. Corna bleiben wollen; und die „Neutralen“, die sich nicht entscheiden können, sich raushalten wollen oder einfach auf mehr Geld für ihren Besitz hoffen. Erstere weichen dem Druck, oder glauben den Versprechungen der Firma, daß sich die Gegend durch den Goldabbau wirtschaftlich entwickeln wird und Arbeitsplätze geschaffen werden. Doch insgesamt werden durch das geplante Projekt nur 250 – 300 Arbeitsplätze entstehen. Und auch diese bieten keine langfristige Perspektive, da der Abbau nur 17 Jahre dauern soll. Wer jedoch als junger Mann Minenarbeiter wird, hat später kaum Chancen noch in einem anderen Beruf eine Anstellung zu finden.
Das ist ein Grund, warum sich Menschen in Rosia Montana gegen dieses gigantische Tagebauprojekt wehren. Sie suchen nach einer langfristigen Perspektive für ihr Dorf und sehen diese in der Land- und Forstwirtschaft und im Tourismus, meint zum Beispiel Eugen von Alburnus Maior.
Ökologische Folgen
Um den Goldabbau so effektiv wie möglich zu gestalten, will die RMGC Cyanid einsetzen. Cyanid ist das Salz der Blausäure, also hochgiftig. Dieses ist notwendig, um das wertvolle Metall vom Gestein zu trennen. Zurück bleibt dann in Wasser gelöstes, mit dem Giftstoff versetztes Gesteinsmehl. Diese giftige Abfallbrühe soll in das benachbarte Corna-Tal geleitet werden. Durch einen 185 m hohen Staudamm soll das Tal abgeschlossen werden. Doch da das Corna-Tal von zahlreichen Flüßchen durchzogen ist, besteht die Gefahr, daß das Cyanid ins Grundwasser gelangt. Anstrengungen dies zu verhindern, werden von der RMGC nicht unternommen. Sie beruft sich auf den Grenzwert der Weltbank für Cyanid im Grundwasser, der bei 50 ppm (parts per million) liegt, während durch die modernen technischen Möglichkeiten, die die RMGC im Tagebau einsetzen will, lediglich 1 ppm Cyanid in den Giftsee gelangen wird, wie im Informationszentrum der RMGC erklärt wird.
Stephanie von Alburnus Maior wendet dagegen ein, daß selbst diese moderne Technik nicht in der Lage ist, das Cyanid konstant auf 1 ppm zu reduzieren. Außerdem ist dazu ungeheuer viel Elektrizität nötig, und die wird in Rumänien nach der Privatisierung des Strommarktes im nächsten Jahr um einiges teurer. Hinzu kommt, daß Rumänien in Vorbereitung auf den angestrebten EU-Beitritt im Jahr 2007 bereits die EU-Grundwasser-Direktive angenommen hat, die besagt, daß Cyanid, das als hochgefährlich eingestuft wird, überhaupt nicht, d.h. 0 ppm, ins Grundwasser gelangen darf.
Widerstand
Dies sind einige der gravierendsten Kritikpunkte, die gegen das Projekt der RMGC vorgebracht werden und die Forderung nach der sofortigen Einstellung des Projekts begründen. Desweiteren wäre noch die archäologische Bedeutung Rosia Montanas als historischer Minenort zu erwähnen, es gibt hier etliches noch aus der Römerzeit zu finden.
Noch gibt es Chancen, das Projekt zu stoppen und Rosia Montana zu retten. Denn noch fehlt der RMGC die letzte Lizenz von den rumänischen Behörden. Um diese zu erlangen, wird die RMGC in nächster Zeit beim rumänischen Umweltministerium eine „Umweltmachbarkeitsstudie“ einreichen. Danach beginnt eine 30tägige Frist innerhalb derer Einwendungen gegen die Studie und das Projekt im allgemeinen vorgebracht werden können, und zwar von allen Menschen, die mit diesem Projekt nicht einverstanden sind, unabhängig von der Staatsangehörigkeit oder Grundbesitz in Rosia Montana. Aktuelle Informationen dazu sowie Mustereinwendungen gibt es unter www.rosiamontana.org
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