Zeitgemäße Interpretation dörflichen Lebens
Der Verein „Hosman Durabil“ bemüht sich um Steigerung der Lebensqualität für die Dorfbevölkerung / Von Karoline Langer
Imposant erheben sich die Gipfel der Fogarascher Berge / Munţii Făgăraş im Rücken des 800-Seelen Ortes. Die prächtige Kirchenburg vor ihren Füßen versucht es ihnen gleich zu tun und ragt aus der Dorfmitte empor. Von außen betrachtet scheint es, als sei in Holzmengen / Hosman wie in unzähligen anderen Dörfern auch, die Zeit stehengeblieben. Wo traditionelles Leben und Handwerk noch den Alltag der Menschen bestimmen, erfährt der Betrachter ein herrlich idyllisches Bild. Auch daraus schöpft sich der Reichtum der einmaligen Kultur- und Naturlandschaft. Jenseits verklärter Blicke aber gestaltet sich die Lebenswirklichkeit der Dorfgemeinschaft in der Gegenwart. Im Zuge von Modernisierungsprozessen, Arbeitsmigration und Verstädterung ist es darum ein wünschenswerter Beitrag, Dorfentwicklungen zu fördern, welche auch durch den Erhalt des baulichen wie kulturellen Erbes die Lebensqualität der Einheimischen absichern.
Altes mit Neuem verbinden
In diesem Sinn arbeitet der Verein „Hosman Durabil“, auf Deutsch „ Nachhaltiges Holzmengen“, seit seiner Gründung im Jahr 2005 mit dem Ziel, eines Tages als eigenständiger Dorfverein zu wirken. Um die zehn Mitglieder aus Holzmengen, Deutschland und der Schweiz bemühen sich mit vielen Unterstützern aus dem In- und Ausland in kleinen Schritten, gegen den Dorfverfall anzugehen und lokalen Menschen ein Arbeitsverhältnis zu verschaffen. Insofern bezweckt der Verein nicht die allumfassende missionarische Tätigkeit, sondern er möchte Projekte vorantreiben, die naheliegend und umsetzbar sind. Das gilt für die Fassadenerneuerung so mancher Häuser im Dorf sowie für die in Aktualisierung begriffene Gestaltung der Wanderkarte „Brukenthal – Kulturweg“ ebenso wie für das Hauptprojekt von „Hosman Durabil“: Die Motormühle „Langen & Wolf“ mit ihren Nebengebäuden so in Schuss zu bringen, dass sie für einen wichtigen ökonomischen Impuls in Holzmengen sorgen kann.
Ende 2004 durch die Förderung des Mihai Eminescu Trust (MET) erworben, wird auf der Alten Mühle / Moara Veche inzwischen wöchentlich Mais mithilfe eines Elektromotors gemahlen. Während die Instandsetzung der Getreidemühle aufgrund des komplizierteren Funktionssystems noch aussteht, werden in der Schmiede unter anderem schon Pferdehufe neu beschlagen. Als museale Anlage von technisch-historischem Wert aber dienen der Otto-Motor und die Drehbank auf dem Mühlenhof internationalen Gästen als reizvolles Anschauungsobjekt. Und durch die Umnutzung der dazugehörigen Scheune wurde zudem ein kultureller Raum für Leseabende und Konzerte eröffnet. In einem Pizzaofen, der von der Brukenthalstiftung zur Verfügung gestellt worden ist, backen währenddessen Frauen aus dem Ort zweimal in der Woche dort Brot in reger Nachfrage. Nachdem entsprechende Verhandlungen mit einem Ofenbauer in der Schweiz gerade erst abgeschlossen sind, wird ein energieeffizienter Holzbackofen nach dem Baubeginn im kommenden Februar das Backhaus zum Direktvermarktungsbetrieb umwandeln. „Mit einer zeitgemäßen Interpretation eines Ortes, an dem in der Vergangenheit verschiedene Gewerke zusammengekommen sind, verbindet sich Technik mit Kultur und ist Beweis dafür, dass integriertes Wirtschaften auch heutzutage so möglich ist, wie es vor 50 Jahren noch der Fall war“, meint der Vereinsvorsitzende Jochen Cotaru.
Raum für Begegnungen schaffen
Den Ort im Harbachtal / Valea Hărtibaciului (er)lebenswert zu gestalten, bedarf einer Orientierung nach außen, um regionale Initiativen zu vernetzen und Partnerschaften auszubilden. Demzufolge sehen sich die Mitglieder des Vereins mit ihren internationalen Kontakten als Bindeglied zwischen den Menschen und der Region, die es zu entwickeln gilt. Über eben solche Kontakte war es im letzten Sommer möglich, eine große Theaterproduktion nach Holzmengen zu holen. Mit der aus der ZDF-Serie „Wege zum Glück“ bekannt gewordenen Hauptdarstellerin Susanne Berckhemer an Bord, inszenierte eine Gruppe Berliner Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Dramaturginnen, Kostüm- und Bühnenbildnerinnen gemeinsam mit Jugendlichen und Älteren aus dem Dorf das Stück „Ein Dorf erzählt…Zalina“. Sechs Wochen von Proben und Spiel erlaubten so interkulturelles Miteinander und sorgten für eine Bereicherung für alle Beteiligten. Zudem mit dem Exzellenzpreis für das beste Programm im Kulturhauptstadtjahr 2007 vom „Sibiu Standard“ ausgezeichnet, ist eine Fortsetzung geplant. In diesem Sommer ist nun eine weitere Theaterproduktion geplant. Gerade im Hinblick auf rassistische Stigmatisierungen, denen vor allem Holzmengener Kinder und Jugendliche immer wieder ausgesetzt sind, unterstützt der Verein „Hosman Durabil“ solch engagierte Vorhaben gern. „Weil die Schaffung von Normalität und Egalität für ein Leben im Ort die Basis unseres gemeinsamen Tuns ist, gelingt das Zusammenkommen der unterschiedlichsten Menschen ohne Achtung auf Klischees“, bringt Cotaru die Einstellung des Vereins auf den Punkt. So gab es im letzten Jahr auf Initiative des Leipziger Pfarrers Johannes Toaspern über den Verein auch eine Begegnung zwischen der Holzmengener und Leipziger Jugend auf siebenbürgischem Boden. Mitte Juli machen sich zwölf Hiesige wiederum auf, um die Freunde in der Bach-Stadt anzutreffen und den Jugendaustausch fortzuführen. Dabei ist die sprachliche Hürde das geringste Problem, finden Jugendliche doch leicht ihren eigenen Weg, sich miteinander zu verständigen, den Horizont zu erweitern und mit neuen Eindrücken zurückzukehren.
„Transilvanian Brunch“
Ein besonderes Ambiente zur Bewerbung der lokalen Initiativen und der Region verschafft der „Transilvanian Brunch“. Lanciert von „Hosman Durabil“ und der Hermannstädter Reiseagentur „Reky Travel“ wird den Sommer hindurch einmal im Monat an einen Ort im Harbachtal eingeladen, um in geselliger Atmosphäre interessierte Menschen aus Stadt und Land zusammenzubringen. „Dahinter steckt die Idee, regionale Produkte der Saison anzubieten und zu bewerben, Gespräche zu führen und auf diese Weise wiederum etwas anzutreiben, sei es in Richtung Umweltschutz, dem Erhalt von Kulturerbe oder die Schaffung von Arbeitsplätzen“, erklärt Cotaru das Konzept. Angewiesen ist man da allerdings auch auf die Unterstützung der lokalen Bevölkerung, „denn diesen Anlass wird es nur solang geben können, wie sich in den Orten auch Menschen finden lassen, die aktiv an der Gestaltung dieses Treffpunkts mitwirken.“
Am vergangenen Samstag fand ein „Transilvanian Brunch“ übrigens in Alzen / Alţina statt. Wer Interesse hat, an weiteren teilzunehmen, sollte sich bei Gabi Cotaru (0748/800 049) melden.
Der Beitrag erschien am 3. Juli 2008 in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ).
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