von Jens Langer
Eginald Schlattner zum 75. Geburtstag am 13.9.2008
Am Horizont lodern zwei mächtige Holzstöße zum Himmel. Damit versuchen auch in dieser Augustnacht 2007 die Bauern in der Ferne das Maisfeld am Waldrand vor den Wildschweinen zu schützen. Von der Galerie eines Bauernhauses im rumänischen Transilvanien aus ein archaischer Anblick! Diese Archaik wird von den Schauern des gegen Mitternacht einsetzenden Landregens gelöscht und ertränkt, so sehr sich die Dorfbewohner auch mühen, das Feuer erneut anzufachen und zu erhalten, wie selbst aus der Ferne eine Zeit lang an einzelnen, mit frischer Kraft auflodernden Feuerschüben zu erkennen ist.
Um solche Feuer hatten sich in der Steppe der Verbannung die rumänischen Zigeuner in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts versammelt wie seit Urzeiten in ihren Zeltlagern, und sie suchten Schutz vor den Klauen des Krieges, die sie dennoch immer wieder tödlich trafen. So sah es der mörderische Deportationsplan der Regierenden vor, ursprünglich in diesem Krieg Deutschland verbündet, in der Endphase mit dessen Feindmächten alliiert.
Neben den urtümlichen Flammen jener Augustnacht werden täglich unzählige Holzfeuer in Küchen und Stuben, auf Höfen und Feldern angefacht und gehütet; denn auch sie werden gebraucht, um zu überleben. Continue Reading »


