Pressemitteilung zum Werkstatt-Treffen Burghüter Neuen Typs II „Der Schlüssel liegt in unsrer Hand!“

In den Räumen des zur Jugendherberge umgenutzten Pfarrhauses Arbegen / Agîrbiciu fand am 08. April 2006 das zweite Werkstatt-Treffen zum Thema „Burghüter Neuen Typs“ statt. Nach einem ersten Treffen im Juni 2005 stand es diesmal unter dem Motto „Der Schlüssel liegt in unserer Hand!“. Eingeladen hatten die , das „Friedrich-Teutsch“-Haus der Evang. Kirche A.B. und das Evang. Bezirkskonsistorium Mediasch A.B.

Unter den TeilnehmerInnen waren u.a. Bezirksdechant Reinhard Guib, Pf. Gerhard Servatius-Depner, Bezirkskirchenkurator Wilhelm Untch und Stadtkirchenkurator Hugo Schneider, Mediasch, Lauren Bohatka und Brian King der US-amerikanischen Firma „Community Habitat Finance International“ Rumänien (CHF, Sibiu), sowie Dagmar Mazur von CORONA e.V. Berlin und Sebastian Szaktilla, GTZ.

Das Treffen leitete Pf. H. Servatius-Depner mit einer Andacht in der evangelischen Kirche ein. Anschließend referierte Pf. G. Servatius-Depner über die Kirchen- und Gemeindesituation in Randgebieten der Evangelischen Kirche wie der Bukowina und Nordsiebenbürgen. Viel zu häufig tauchen diese Peripherien nicht auf den „mental maps“ auf, können aber durchaus Beispiele für Gemeindestabilisierung oder auch ‚sanfte’ Abwicklung von überholten Strukturen geben. Es wurde sichtbar, dass diese Regionen besser wahrgenommen werden sollten, worauf auch die bischöfliche Spezialvisitation am selben Wochenende in der Region bezeugt. Eine auf der Hand liegende Tatsache wurde hier jedenfalls sofort deutlich: Genutzte Kirchen – unabhängig von der Konfession – sind in besserer als ungenutzte, wie Kurator H. Schneider betonte.

B. King präsentierte ein wegweisendes Projekt des CHF, das in enger Abstimmung mit den kirchlichen Strukturen einen „Saxon Heritage Trail“ (Siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbe – Weg) auf der Route Hermannstadt-Agnetheln-Schäßburg-Mediasch-Hermannstadt aufbauen will. Dieses Projekt im Umfang von einigen tausend $ soll 10 touristisch interessante Kirchen der Region erfassen, ihre schnell erkennbare Ausschilderung an öffentlichen Punkten, Infomaterial sowie Training der Verantwortlichen vor Ort bis Sommer 2007 erzielen. Als Pilotobjekt wurde Wurmloch/ Valea Viilor ausgewählt, wo bereits Mitte Mai Resultate sichtbar sein werden. Kontaktaufnahmen mit den beiden Dechanten sind erfolgt, die Datenerhebung hat bereits begonnen.

Dechant Guib verwies weiterhin neben aktuellen Informationen zur Lage im Kirchenbezirk darauf, dass man in Mediasch keineswegs unvorbereitet und mit leeren Händen in solche Projekte gehe. Vielmehr habe man im Mediascher Bezirk längst gute Erfahrungen mit standardisierten Hausordnungen, Besucherregelungen und modernisierten Burghüterverträgen. Material für weitere Diskussion und Aufbereitung sei vorhanden. Allerdings stünde eine wünschenswerte und mit allen Verantwortlichen abgestimmte Generalisierung zum Wohle der Gemeinden über die Bezirksgrenzen noch aus.

Dr. Theilemann stellte in seinem Beitrag den Entwurf einer Kategorienliste zur „Standortbewertung“ aller ca. 100 evangelischen Kirchengemeinden im Hermannstädter und Mediascher Kirchenbezirk vor. Diese einfach strukturierte und PC-basierte Datensammlung erfasst neben „weltlichen“ Kategorien wie Einwohnerzahl eines Ortes oder kulturell-architektonischer Einstufung eines Kirchengebäudes vor allem kirchliche wie Seelenzahl, Betreuungssituation und Immobilienbewirtschaftung. Die TeilnehmerInnen begrüßten den auf Ausbau auf Bezirks- bzw. landeskirchlicher Ebene angelegten Entwurf als ein in der Evangelischen Kirche A.B. breit anwendbares Werkzeug, dass die Entscheidungslagen für Nutzung oder Aufgabe eines kirchlichen Gebäudes erkennen helfen könne. Die anstehenden Konsequenzen wurden als „Bereitschaft zur Transparenz, zum Abgeben, zum Aufgeben“ zusammengefasst.

In den lebhaften Diskussionen des Tages sowohl zum CHF-Projekt „Saxon Heritage Trail“ als auch dem Kategorisierungsvorschlag wurden sowohl die Verschiedenheit einzelner Orte und Gebäude hervorgehoben wie auch die Notwendigkeit eines verallgemeinerbaren, wiederholbaren Ansatzes. Wichtig ist vor allem der Impuls aus der Evangelischen Kirche A. B. heraus und eine weitere Öffnung zur allgemeinen Dorfbevölkerung, im Sinne einer stärkeren Identifikation mit „ihrer“ Burg und unabhängig von ihrer Konfession. Touristisch angelegte, ganz praktische Informationsprojekte sind dazu ein wichtiges Mittel. Doch täte es allen Vorhaben gut, sich auf ebenso engagierte wie seriöse lokale Initiativen beziehen zu können, die von kirchlicher Seite noch gestärkt werden könnten. Das Kirchenburg-Projekt / ist daher für „Burghüter neuen Typs“ weiterhin ein vorbildhaftes Beispiel. Die Kirche kann davon auch in ihrem eigentlichen Aufgabengebiet der Verkündigung und des Gemeindeaufbaus profitieren.

In Arbegen wurde zuletzt auch deutlich, dass sich zwei Stränge sich in den bisherigen Aktivitäten um die „Burghüter“ finden, die künftig noch intensiver, aber vielleicht auch separat verfolgt werden wollen. Zum einen ist der Erfahrungsaustausch zwischen jenen unverzichtbar und ausbaufähig, die sich tatsächlich im „alten“ wie „neuen Typ“ in den Dörfern engagieren: Treffen, Vernetzen, Austauschen, konkret Unterstützen. Zum anderen bedarf es jedoch dringend auch einer strategisch-administrativen Wissensgrundlage für die Zukunft der Evangelischen Kirche A.B. im ländlichen Raum. Sie sollte mit den Menschen vor Ort direkt in Kontakt sein und „Überlebenschancen“ beurteilen, zugleich aber auch Neugierigen, Initiativen wie Stiftungen substantielle Information bieten können. Die Veranstalter fassen daher auf einhelligen Wunsch der TeilnehmerInnen für den Herbst 2006 ein weiteres Treffen ins Auge.

Wir danken dem Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt/ Sibiu und dem Community Habitat Finance International Rumänien für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung sowie dem Bezirkskonsistorium und namentlich Kuratorin I. Petru und der Burghüterin vor Ort für ihr freundliches Engagement und die warme Aufnahme. Wieder einmal gab es im Arbegener Pfarrhaus reges Leben, konzentrierte Diskussion, Blicke nach vorn.

Holzmengen, Hermannstadt, Mediasch, 13. April 2006

Joachim Cotaru i.A. Dr. Wolfram G. Theilemann i.A. Hildegard Servatius-Depner
(KulturLand SRL) („Friedrich-Teutsch“-Haus) (Pfarrerin Mediasch)

Die Pressemitteilung können Sie hier als PDF-Datei downloaden.