Fragezeichen zu Nastases Selbstmordversuch

Tage der Hysterie um die endlich erfolgreiche Verurteilung eines führenden Politikers Rumäniens. Ex-Premier Năstase wird per endgültigem Urteil für zwei Jahre (also maximal 8 Monate…) ins Gefängnis geschickt. Grund: eine Scheinkonferenz zur Finanzierung seines Präsidentenwahlkampfs 2004. Was dem einst so hochgelobten Manne blüht, ist harmlos – seine Helfer gehen für jeweils 5 bis 6 hinter die Mauern.
Die JournalistInnen drängeln sich in unappetitlicher Manier auf den Stufen vor dem Haus: Belagerung total, wenig Fakten.

UPDATES

 

 

20. Juni: Am Abend der Überstellung des Urteils durch Polizeibeamte Riesen-Medienauflauf in der Bukarester str. Zambaccian. In dem Edel-Block der Familie, Bestandteil anderer (eingestellter) Prozesse gegen Năstase, kommt es zu ungeklärten Vorgängen. Năstase wird nach einem vorgeblichen, missglückten Selbstmordversuch mit seinem (zugelassenen) Revolver von der Ambulanz fortgefahren.
Die Medien überhäufen die Öffentlichkeit mit dramatischen Bildern, mit ergreifender Musik. Năstases Parteikollegen geben sich geschockt.

Mittlerweile kommt etwas Ernüchterung durch. Es scheint, niemand hätte einen Schuss gehört. Năstase wird mit der Ambulanz fortgefahren – auf den Bildern keine Verletzungsspuren, der Patient trägt einen Schal, keine Atemmaske (vgl. mit Bild auf derstandard.at). Der ältere Sohn – er taucht mehrmals als Familienmitglied auf – wirkt konzentriert. Die Äußerungen der behandelnden Ärzte (laut Radio Guerilla sämtlich Parteigenossen Năstases) sprechen einmal von ernstem Zustand, dann von leichten Verletzungen. Als es schließlich heißt, der Patient sei in einem sehr guten Zustand, verbietet seine Familie die Veröffentlichung weiterer Statements.

Was ist passiert? Noch ist wohl offen, ob sich Năstase tatsächlich seiner Strafe entziehen wollte. Doch Fragen stehen im Raum. In wurden die Medien bereits seit den Dezembertagen 1989 zur gezielten Manipulation über stattgefundene oder inszenierte Ereignisse eingesetzt; Erfahrung gibt es also. Man nehme dazu beispielsweise die entsprechenden Schilderungen von Paolo Rumiz* zur Hand. Jetzt müssen wir aufmerksam sein, die Hysterie durch Besonnenheit ersetzen und versuchen zu erfahren, was am Mittwochabend tatsächlich in der str. Zambaccian geschah.

 

Weitere Links:

 

* Paolo Rumiz: Masken für ein Massaker. Der manipulierte Krieg: Spurensuche auf dem Balkan. Mit einem Vorowrt von Claudio Magris. München, 2000

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