Das Rosia Montana Fan Fest 2014 (11.-17. August). Ein Bericht von Hugo-Alexander Frohn

(dt. Goldbach) ist ein kleiner Ort im Apuseni-Gebirge (Kreis Karlsburg) wo schon zu römischen Zeiten gefördert wurde. Der internationale Konzern „Rosia Montana Corparation“ (Hauptshareholder: Gabriel Resources, Gründer: Frank Timis) plant dort die Eröffnung einer neuen „offenen“ Goldmine, in der auch Zyanid verwendet werden soll. Aus Protest dagegen findet seit 2004 jährlich das „Rosia Montana “, ein ökologisch-kulturelles Festival organisiert von „Alburnus Maior“ (Leiter: Eugen David), „Green Transylvania“ (Leiter: Csongor Kovacs) und anderen NGOs, statt.

Mitt August war die 9. Auflage des FanFests, hier einige Beobachtungen dazu:

  • Es scheint als wäre die Kampagne „Salvati Rosia Montana!“ tatsächlich erfolgreich gewesen, denn während die Angestellten und bezahlten Helfer der „Rosia Montana Gold Corporation“ mit ihren grünen Hemden letztes Jahr noch omnipräsent waren, war in diesem Jahr niemand von dem Unternehmen zu sehen, auch viele Plakate der RMGC mit pro-Bergbau Solgans sind anscheinend abgehängt worden.
  • Die Themenpalette wird immer breiter: Neben den Veranstaltungen, die sich mit den negativen Folgen des Bergbaus (in Rosia Montana und darüberhinaus) beschäftigen, ging es in diesem Jahr auch um Fracking, illegale Abholzung, gentechnisch modifizierte Organismen, Landraub, Korruption, die Müllproblematik etc.
  • Das Festival wird immer internationaler: In diesem Jahr waren Teilnehmer aus Deutschland (schätzungsweise über einhundert), Frankreich, Italien, Spanien, der Schweiz, Polen, Weissrussland (!), Österreich, Ungarn, Großbritannien, Finnland und den USA zu sehen. Einige von diesen haben auch ihre eigenen Kampagnen präsentiert oder Workshops geleitet. Etwa 50% der Veranstaltungen fanden auf englisch statt, die andere Hälfte war auf rumänisch (mit Übersetzung für die Ausländer).
  • Erstaunlich ist, dass es daneben aber offensichtlich auch eine rumänische Zivilgesellschaft gibt, die global denkt und lokal handelt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Bewohner von Rosia Montana selbst (diese waren auf den Veranstaltungen nicht zu sehen), sondern um (meist) junge Leute zwischen 20-40 aus Klausenburg, Kronstadt oder Bukarest, die zur rumänischen Mittel- oder Oberschicht zählen. Fast alle dieser Leute haben eine längere Zeit im Ausland verbracht.
  • Tatsache ist aber auch, dass nur eine Minderheit der FanFest Besucher nach Rosia Montana kommt um dort an den politisch-ökolgischen Debatten und Workshops teilzunehmen. Die Veranstaltungen aus den Bereichen Theater, Film, „Outdoor Fun“ (von Capoeira bis Skydiving) sowie die geführten Touren waren meist viel besser besucht, für viele ist das Rosia Montana Fan Fest nur ein Musikfestival. Wieviel Besucher es insgesamt waren lässt sich schwer schätzen, da die Teilnehmerzahlen stark schwankten. Von Montag bis Freitag vielleicht etwa 1.000-1.500 pro Tag, von Freitag bis Sonntag etwa 2.000-3.000.

Hier nun noch einige persönliche Highlights aus dem Bereich der politischen Ökologie:

  1. Sehr aufschlußreich war der Vortrag, den Hans Hedrich (Verein „Neuer Weg“) in Rosia Montana über die illegale Abholzung von rumänischen Wäldern gehalten hat, die in gigantischem Ausmaß vor sich geht. Ca. 366.000 Hektar Wald hat Rumänien seit 1990 verloren (eine Fläche fast anderthalb mal so groß wie das Saarland), besonders begehrt sind dabei die alten Bäume aus den „letzten Urwäldern Europas“. Laut Hedrich entstand nach der Wende eine „Holzmafia“, die (z.T. mit falschen Papieren) in großem Stil Wälder aufkaufte, einschlug und das Holz für ihren privaten Gewinn dann ins Ausland exportierte. Zu dieser „Holzmafia“ gehören sowohl die Waldbesitzer und die Holzunternehmen als auch die lokale Polizei, die lokalen Behörden, Romsilva und der rumänische Geheimdienst, denn die illegale Abholzung bedroht in Rumänien laut Gesetz die nationale Sicherheit. Wenn nur eine der an der Abholzung beteiligten Institutionen ihren Job richtig machen würde, würde das ganze System der Abholzung in sich zusammenbrechen, so Hans Hedrich. Er berichtete von einem von ihm selbst recherchierten Fall im Kreis Harghita, wo die Bäume tagsüber illegal eingeschlagen und nachts ohne Licht abtransportiert wurden. Die Polizei untersuchte nicht, weil sie, ebenso wie die lokale Regierung und Romsilva, davon wußte, vielmehr eskortierte sie die Holz-Trucks sogar, damit beim Abtransport nichts passierte. Im Zentrum der „Holzmafia“ befinden sich laut Hedrich die Firma „Schweighofer“, welche im Kreis Covasna, nahe des Dorfes Reci, zur Zeit illegalerweise in neues Großsägewerk (ohne Umweltverträglichkeitsprüfung) baut, sowie der “Pate” der regionalen Holzmafia, der ehemalige Förster Mircea Dusa, gegenwärtig Verteidigungsminister Rumäniens. Er finanzierte seine Wahlkampagne mutmaßlich mit dem Geld aus illegal eingeschlagenem Holz. Der ebenfalls anwesende Octavian Berceanu, ein ehemaliger Mitarbeiter von Romsilva, bestätigte am Ende des Vortrags die Aussagen Hedrichs. In der „Frontal 21“ Sendung vom 29.10.2013 (zu sehen in der ZDF-Mediathek) gab es auch einen Bericht über diesen „Kahlschlag in den Karpaten“, Näheres auch unter www.neuerweg.ro .
  2. Sehr informativ war darüberhinaus auch die Präsentation von Ramona Duminicioiu von InfOMG Romania über den Anbau gentechnisch modifizierter Pflanzen in Rumänien. Rumänien hatte demnach zwischen 1998-2007 die größte Anbaufläche von gentechnisch modifizierten Pflanzen in Europa und hat sie vielleicht noch heute. Angebaut wird laut Ramona Duminicioiu momentan der Genmais MON810 der Firma Monsanto (auf ca. 800 ha, dieser Mais soll dabei weit weniger ertragreich als herkömmlicher Mais sein) und wahrscheinlich auch gentechnisch verändertes Soja. 2006 wurde in Rumänien offiziell noch auf 140.000 ha Gen-Soja angebaut, mit dem EU-Beitritt wurde dieser Anbau dann verboten. Es gibt jedoch (so InfOMG) nur sehr lückenhafte Kontrollen und widersprüchliche Daten und so ist nicht klar, ob der Anbau wirklich eingestellt wurde oder ob die Bauern illegal einfach weiter Gen-Soja anbauen. Außerdem importiert Rumänien im großen Stil Gen-Soja aus Lateinamerika als Viehfutter. Eigentlich müssten Genprodukte gekennzeichnet werden, in Rumänien gibt es aber laut InfOMG nur ein Labor, dass eine gentechnische Veränderung überhaupt nachweisen kann. Dieses ist in Bukarest, untersteht direkt dem Premierminister, hat viel zu wenig Geld und Ausrüstung und beantwortet grundsätzlich keine Anfragen von außen. So werden in Rumänien zu kaufende Produkte laut InfOMG praktisch nie auf gentechnische Veränderung untersucht, der rumänische Konsument kann also nicht erkennen ob ein Produkt gentechnisch verändert ist oder nicht. Es gibt laut InfOMG auch keine rumänischen Studien über die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Organismen auf die Gesundheit und die . Diese wären aber laut InfOMG dringend nötig, denn einer Studie des französischen Instituts CRIIGEN (2007) zufolge kann der Konsum von gentechnisch verändertem Mais zu Deformationen von Leber und Nieren führen. Außerdem sind die Effekte des Auskreuzens (Überspringen von veränderten Genen auf andere Pflanzen und Tiere) unklar. InfOMG ist außerdem grundsätzlich dagegen, dass private Konzerne wie Monsanto und Syngenta Patente auf Lebewesen besitzen. Näheres unter www.infomg.ro.
  3. Außerdem ist wohl (wie man in Rosia Montana erfahren konnte) „Land Grabbing“ (Landraub) ein großes Problem in Rumänien. Miklós-Attila Szőcs-Boruss von der Organisation ecoruralis informierte die Zuhörer darüber, dass mittlerweile 700.000 ha (ca. 10%) der landwirtschaftlichen Fläche Rumäniens Ausländern gehört, meist großen Konzernen, Banken, Versicherungen oder Hedge Funds. Im Bezirk Timis sind es sogar 50%. Zu den größten Investoren gehören die Rabobank (NL, mit 25.000 ha), Generali Versicherungen (I), aber auch der Harvard Pensions Fund (USA), die Doha Foundation (Katar) und weitere Käufer aus dem Mittleren Osten (Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien). Diese bearbeiten das Land meist nicht selbst, sondern verleasen es weiter. Die neuen Eigentümer erwerben das Land meist nicht, weil sie es brauchen, sondern aus spekulativen Gründen, d.h. sie wollen es später mit Gewinn weiterverkaufen und zwischenzeitlich EU-Landwirtschaftssubventionen abgreifen. Dieses Verhalten gefährdet laut ecoruralis die Ernährungssicherheit Rumäniens, da die rumänischen Bauern letztendlich nicht mehr selbst über ihr Land verfügen können. Außerdem ist es laut ecoruralis eine Gefahr für die örtliche Biodiversität, da die Investoren meist auf Monokulturen setzen, die mithilfe von Pestiziden bearbeitet werden. Näheres unter www.ecoruralis.ro.
  4. Ein weiterer subjektiver Höhepunkt war das „Nationale Anti-fracking-Treffen“, geleitet von Maria Olteanu. Fracking ist laut Duden „das Aufspalten von Gestein mit Chemikalien und hohem Wasserdruck zur Gewinnung von Gas oder Erdöl“. Der amerikanische Konzern Chevron hat die Rechte erworben auf 870.000 ha rumänischen Territoriums nach Schiefergas zu suchen und im Oktober letzten Jahres in Pungesti (Landkreis Vaslui) auch schon mit Prospektionsbohrungen begonnen. Hiergegen gibt es starken (auch gewaltsamen) Widerstand, da eine Verschmutzung von Grundwasser und Umwelt sowie Erdbeben befürchtet werden. In Rosia Montana vereinbarten die Aktivisten nun am 6.-8. September in Puiesti (nahe Pungesti, dort will Chevron seinen zweiten Explorationsturm bauen) das internationale Anti-Fracking-Festival „ManiFEST“ mit Kunst und Musik nach dem Vorbild des Rosia Montana Fan Fests zu veranstalten. Auch bei der Anti-Fracking-Kampagne will man sich an der Rosia Montana-Kampagne orientieren. Empfohlen wurden auch die Filme „Gasland“ und „Gasland II“ von Josh Fox. Näheres auch unter www.frackoffromania.wordpress.com.
  5. Und schließlich nicht zu vergessen die vielen sozialen und ökologische Initiativen, die sich in Rosia Montana vorstellten und von ihrer Arbeit berichteten: Die Biobäckerei „Alte Mühle“ in Holzmengen; das Öko-Dorf Stanciova (bei Temeschwar); die Fairhandels-Initiative „Talat-Kalotaszeg Durabil“; „Fundatia Adept“, die sich in Schässburg für kurze Produktionswege einsetzt; „Romania in Transitie“, das sich für eine postfossile Wirtschaft einsetzt; die Anti-Müll-Bewegung „Zero Waste“; „Rise Project“ gegen Korruption, die Nichtregierungsorganisation „Green Transylvania“ und viele mehr…

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